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Mittwoch, 19. Januar 2011

Wo Versicherte jetzt kräftig zuzahlen

Die Hessen sorgen sich um die Zukunft des Gesundheitssystems: Die Kosten explodieren, viele reden von einer Zweiklassen-Medizin. Jetzt ärgern sich die Bürger über teure Zuzahlungen für Medikamente. m€x zeigt, wo am meisten draufgeschlagen wird.

Uschi K. aus Offenbach leidet unter Migräne. Alle zwei Monate holt sie sich ein Medikament, das ihr hilft - Ascotop. Doch jetzt kommt der Schock. Auf einmal soll sie gewaltig zuzahlen, sagt der Apotheker: "Leider gibt es da ein Problem, jetzt kostet es 55 Euro. Frau K. ist empört. Denn bisher war das Medikament zuzahlungsbefreit. Doch ihre Kasse zahlt auf einmal viel weniger: Früher betrug die Kassenleistung für Ascotop knapp 89 Euro. Seit dem 1. September zahlen sie nur noch gut 39 Euro. 50 Euro muss der Patient selbst zahlen plus 5 Euro gesetzliche Zuzahlung. Macht zusammen rund 55 Euro für die Patienten. Bis vor Kurzem waren noch rund 10.000 Arzneimittel von solchen Zuzahlungen befreit. Seit dem 1. September zahlen die Kassen der Pharmaindustrie für viele Mittel deutlich weniger.

Die Folge: Von den 10.000 sind jetzt rund 3000 aus der Befreiung herausgefallen, die Patienten müssen zum Teil erheblich zuzahlen. Die Absenkung der Festbeträge kam für viele überraschend, auch für die meisten Ärzte. Für seine Patienten ist Allgemeinarzt Dr. Claus M. Reimers stets bemüht nach Möglichkeit preiswerte und zuzahlungsfreie Medikamente zu verschreiben, aber auch er wurde überrascht.

Die Preisbewegungen im Pharmamarkt, sagt Reimers, hätten eine so kurze Halbwertszeit, dass er nicht mehr mitkommt. Sein Computerprogramm oft auch nicht. Seine Patientin Ulrike B. hat Magenschmerzen. Reimers will ihr zur Behandlung das Medikament Nexium aufschreiben. Das kennt er gut. Doch schon sein Computerprogramm verrät ihm: das wird für die Patientin teuer: "Sie müssen leider 17,99 dazu zahlen." Ulrike B. ist nicht begeistert: "Das ist aber viel - also ich bin alleinerziehend."
 

Patienten werden alleingelassen

Viele Patienten sind geschockt durch die unerwarteten Zusatzkosten. Und viele können sie sich auch nicht leisten. Doch die Kassen lassen die Versicherten mit dem Problem alleine. Wir treffen Uschi K. Sie ist chronisch krank. Der Eigenanteil für ihr Migränemittel summiert sich für sie auf rund 260 Euro im Jahr: "Ich bin eigentlich sprachlos. Es werden die Kosten auf die Patienten verlagert."

Vor allem Chroniker müssen den Kampf zwischen Kassen und Pharmaindustrie ausbaden. Die Kassen haben einseitig die Ausgaben für die Medikamente gesenkt und wollen die Arzneimittelhersteller zu einer Preissenkung zwingen. Die Krankenkassen machen es sich einfach. Dass sie Auslöser der Preiserhöhung sind, davon wollen sie nichts wissen. So lässt sich der GKV-Spitzenverband mit den Worten zitieren: "Wir fordern alle Akteure auf … die Auseinandersetzungen zwischen den Akteuren zu führen und nicht auf dem Rücken von Patientinnen und Patienten.“

Ob ein Medikament von dem Pharmakrieg betroffen ist, können die Patienten auf den Internetseiten der GKV nachlesen. Oft gibt es auch preiswerte Alternativen. Zum Beispiel kann der teuren Blutfettsenker Sortis durch Simvastatin ersetzt werden. Das Problem: Der Arzt muss auf die Alternative verweisen, denn der Apotheker darf das nicht selbst entscheiden. Doch solange die Ärzte nicht durch das Verordnungschaos durchblicken wird Apotheker Diefenbach noch viele unglückliche Patienten bedienen.

Bericht: Herbert Stelz 
 

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