(© ) Gabriele Nefzger leidet unter starken Schmerzen nach einer Operation. Doch weil es Rabattverträge gibt, musste Frau Nefzger noch mehr leiden, erzählt sie: "Dass die Krankenkassen uns vorschreiben, was wir für Medikamente zu nehmen haben, das finde ich einfach nicht in Ordnung. Das ist wie eine Entmündigung." Auch ihr Arzt Dr. Thomas Nolte, Schmerztherapeut, ist ein Opfer der Rabattverträge. Weil er Frau Nefzger nicht das verschreibt, was die Kasse möchte, riskiert er vor allem Ärger: "Ich finde es unverantwortlich, dass sie hier die Kassen sparen wollen und eigentlich mehr Irritation und mehr Kosten letzten Endes auslösen."
Und auch die Apotheker stöhnen unter den Rabattverträgen, weiß der Apotheker Peter Homann: "Die Rabattverträge sind für uns Apotheker einfach eine Katastrophe." Zurück zu Patientin Nefzger. Sie war gut auf ihr starkes Schmerzmittel eingestellt. Doch als sie mit dem gewohnten Rezept in die Apotheke kam, gab ihr die Apothekerin plötzlich ein anderes. Ihre Kasse hatte nun einen Rabattvertrag mit einem anderen Hersteller: "Ich musste die Dosis erhöhen, weil es einfach nicht lang genug gewirkt hat und Schmerzen waren noch vorhanden. Dann kam noch dazu, dass ich wahnsinnig Juckreiz gekriegt habe. Ich musste mich am Kopf kratzen, die ganze Nacht. Es war so schlimm. Und ich sag noch zu meinem Mann am nächsten Morgen: Guck doch mal, ob ich Läuse hab. Das war ganz schlimm. Aber es waren nur die Nebenwirkungen von dem Medikament."
Drei Wochen quälte sich Frau Nefzger, dann verschrieb Dr. Nolte ihr wieder das alte Medikament. Das ist möglich, wenn er auf dem Rezept das „aut idem“ Feld durchstreicht. Dann darf die Apotheke nicht mehr austauschen. Doch macht er das bei zu vielen Patienten, riskiert er eine Überprüfung durch die Kassen, ein sogenanntes Regressverfahren.
Jeder Verband hat eigene Medikamente
Nolte schildert: "Ich weiß zumindest von vielen Regressen in der Bundesrepublik, die im Moment unter Kollegen laufen und dass diese Ärzte sich eben für ihr Verschreibungsverhalten rechtfertigen müssen. Natürlich ist der Arzt nach wie vor angehalten, auch kostengünstig zu verordnen aber es muss in seiner Hand bleiben, welches Präparat der Patient bekommt."
Auch in den Apotheken führen die Rabattverträge zu enormem Aufwand. Je nach Kasse muss ein anderes Mittel abgegeben werden. Peter Homann vom Hessischen Apothekerverband greift das Beispiel Diabetes auf: "Dieses ist das Präparat, das bekommt der AOK-Patient, dieses Präparat bekommt der Patient der Barmer, und dieses Präparat bekommt der Versicherte der Techniker-Krankenkasse, diese Präparat ist für den Patienten der DAK und dieses Präparat ist für einen Versicherten der BKK Osthessen."
Der gleiche Wirkstoff, unterschiedliche Rabattverträge. Davon gibt es bis zu dreitausend, und die ändern sich ständig. Und das alles muss auch noch den Kunden erklärt werden. Ein riesiger Mehraufwand, wie Homann erzählt: "Wir erbringen die Leistung und die Krankenkasse spart das Geld."
2009 sparten die Kassen mit den Rabattverträgen nach eigenen Angaben 864 Millionen Euro. Wie genau, ist nicht nachvollziehbar, denn die Verträge sind geheim. Sparen ist grundsätzlich sinnvoll aber nicht auf Kosten anderer. Ingrid und Karl-Heinz Risch mussten plötzlich für zwei Mittel, die vorher nichts kosteten, je fünf Euro Zuzahlung leisten. Obwohl es viele zuzahlungsfreie auf dem Markt gibt. Von wegen Rabatt. Für sie wurde es erst mal teurer.
Auch in den Apotheken führen die Rabattverträge zu enormem Aufwand. Je nach Kasse muss ein anderes Mittel abgegeben werden. Peter Homann vom Hessischen Apothekerverband greift das Beispiel Diabetes auf: "Dieses ist das Präparat, das bekommt der AOK-Patient, dieses Präparat bekommt der Patient der Barmer, und dieses Präparat bekommt der Versicherte der Techniker-Krankenkasse, diese Präparat ist für den Patienten der DAK und dieses Präparat ist für einen Versicherten der BKK Osthessen."
Der gleiche Wirkstoff, unterschiedliche Rabattverträge. Davon gibt es bis zu dreitausend, und die ändern sich ständig. Und das alles muss auch noch den Kunden erklärt werden. Ein riesiger Mehraufwand, wie Homann erzählt: "Wir erbringen die Leistung und die Krankenkasse spart das Geld."
2009 sparten die Kassen mit den Rabattverträgen nach eigenen Angaben 864 Millionen Euro. Wie genau, ist nicht nachvollziehbar, denn die Verträge sind geheim. Sparen ist grundsätzlich sinnvoll aber nicht auf Kosten anderer. Ingrid und Karl-Heinz Risch mussten plötzlich für zwei Mittel, die vorher nichts kosteten, je fünf Euro Zuzahlung leisten. Obwohl es viele zuzahlungsfreie auf dem Markt gibt. Von wegen Rabatt. Für sie wurde es erst mal teurer.
"Schönen Dank auch"
Ihre Kasse wirbt damit, dass sie auch in 2011 keinen Zusatzbeitrag erhebt. Für Ingrid Risch nur eine Verschiebung von Kosten: "Da kann ja denn auch die Krankenkasse großzügig auf den Zusatzbeitrag erst mal in 2011 verzichten, wenn sie sich nämlich das Geld schon vorher von ihren Versicherten geholt hat für Medikamente, die vorher zuzahlungsfrei waren. Schönen Dank auch."
Der Gesundheitsforscher Gerd Glaeske ist Mitglied im Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen. Für ihn sind die Rabattverträge ein untaugliches Mittel zum Sparen: Rabattverträge können Schaden anrichten: Erstens, weil ja die Patienten nun finanziell wieder belastet werden durch Zuzahlung, obwohl es Arzneimittel sind, die auch ohne Zuzahlung zu bekommen wären an dieser Stelle. Und zum zweiten, weil Patientinnen und Patienten häufig Arzneimittel durch die Rabattverträge bekommen müssen aus der Apotheke, die für sie neu sind, mit denen sie wenig anfangen können, die neu erklärungsbedürftig sind und die möglicherweise dann auch falsch eingenommen werden. "Die Arzneimittelsicherheit muss im Mittelpunkt stehen und darf nicht geopfert werden auf dem Altar von angeblich kostengünstigeren Arzneimitteln über Rabattverträge."
Die Kassen sparen. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Doch wenn Rabattverträge zu Lasten von Patienten gehen wie Frau Nefzger oder Familie Risch und Ärzte und Apotheker belasten, dann sollte Kassen und Politik die Probleme ernst nehmen.
Bericht: Herbert Stelz
Der Gesundheitsforscher Gerd Glaeske ist Mitglied im Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen. Für ihn sind die Rabattverträge ein untaugliches Mittel zum Sparen: Rabattverträge können Schaden anrichten: Erstens, weil ja die Patienten nun finanziell wieder belastet werden durch Zuzahlung, obwohl es Arzneimittel sind, die auch ohne Zuzahlung zu bekommen wären an dieser Stelle. Und zum zweiten, weil Patientinnen und Patienten häufig Arzneimittel durch die Rabattverträge bekommen müssen aus der Apotheke, die für sie neu sind, mit denen sie wenig anfangen können, die neu erklärungsbedürftig sind und die möglicherweise dann auch falsch eingenommen werden. "Die Arzneimittelsicherheit muss im Mittelpunkt stehen und darf nicht geopfert werden auf dem Altar von angeblich kostengünstigeren Arzneimitteln über Rabattverträge."
Die Kassen sparen. Das ist grundsätzlich sinnvoll. Doch wenn Rabattverträge zu Lasten von Patienten gehen wie Frau Nefzger oder Familie Risch und Ärzte und Apotheker belasten, dann sollte Kassen und Politik die Probleme ernst nehmen.
Bericht: Herbert Stelz
Anmerkung der Redaktion:
Die Techniker-Krankenkasse hat uns übrigens mitgeteilt, für die Medikamente der Familie Risch ab Februar KEINE Zuzahlung zu erheben. Vielleicht lohnt es sich ja auch für Sie, bei Ihrer Krankenkasse einmal nachzufragen.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.01.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
Quelle: ARD http://ht.ly/3GfBL
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